Restalkohol: Oftmals unterschätzt

Alkohol am Steuer: Verkehrsanwälte für Puste- statt Blitzmarathon
10. Februar 2017

Restalkohol: Oftmals unterschätzt

 

Tags zuvor noch alkoholisiert auf einer Feier zugange gewesen, am nächsten Morgen schon wieder am Steuer – vielfach wird davon ausgegangen, eine Mütze voll Schlaf genüge, um die Fahrzeugführungstüchtigkeit wieder herbeizuführen. Dabei wird das Phänomen „Restalkohol“ nicht selten auf die leichte Schulter genommen. Worauf es hierbei zu achten gilt, klärt der nachfolgende Text. – Jenna Eatough

 

In Frankreich wird das Bewusstsein für Restalkohol im Straßenverkehr seit dem 01. Juli 2012 gestärkt: Mit diesem Stichtag führte die „Grande Nation“ eine Obliegenheit zum Mitführen von Alkoholtests in Fahrzeugen ein. Somit ist es jedem ein Leichtes, vor Antritt der Fahrt eine Überprüfung der eigenen Fahrtüchtigkeit durchzuführen. Den Tester hat man immer zur Hand, ein Verlassen auf die eigene Selbsteinschätzung ist nicht erforderlich.

In Deutschland dagegen besteht keine derartige Pflicht. Im Regelfall wird sich daher nicht die Mühe gemacht, einen Alkoholtest anzuschaffen, stattdessen wird eine Eigenbewertung vorgenommen. Hierbei beeinflussen nicht selten vielerlei Mythen über die Beschleunigung des Abbaus der Promille im Blut die Entscheidung.

 

Mythen über die Manipulation des Alkoholabbaus

Im Netz kursieren etliche Ratschläge darüber, wie man den Prozess des Promilleabbaus angeblich eigenständig beeinflussen kann. Hierbei wird oftmals auf den Kaffeekonsum oder eine kalte Dusche verwiesen. In der Tat ist es möglich, dass man sich durch derartige Maßnahmen nüchterner fühlt – der Alkoholabbau aber lässt sich hierdurch nicht steuern. Auch der weit verbreitete Gedanke, mit einer deftigen Mahlzeit eine Grundlage für den Alkoholkonsum schaffen zu können, ist letztlich abzuweisen: Zwar gelangt der Alkohol bei einem leeren Magen rascher ins Blutsystem und kann somit schädlicher sein, doch bleibt die Promillehöhe gleich. Es kommt lediglich zum zeitversetzten Eintreten des Rauschzustands.

 

Was sagt der Gesetzgeber?

Völlig irrelevant aus rechtlicher Sicht ist, wie lange der Alkoholkonsum konkret zurückliegt. Es kommt ausschließlich auf den festgestellten Alkoholspiegel an. Für Personen, die erstmals durch Alkohol am Steuer auffallen, sieht der Gesetzgeber mindestens eine Geldbuße in Höhe von 500 €, zwei Punkte in Flensburg sowie ein einmonatiges Fahrverbot vor. Wer wiederholt unter Alkoholeinfluss ein Fahrzeug lenkt, dem drohen erhöhte Sanktionen. Um solche unnötigen Konsequenzen zu vermeiden, sollte man keinesfalls pokern und glauben, der Restalkohol im Blut werde „schon passen“. Vielmehr sollte man sich vergewissern oder im Zweifel das Auto lieber stehen lassen.

Was die konkreten Sanktionen und die dazugehörigen Grenzwerte betrifft, findet sich im nachfolgenden eine Tabelle:

 

Promillewert Bußgeld / Strafe Fahrverbot Punkte
●       Verstoß gegen 0,0‰-Grenze in der Probezeit 250€ 1
●       Blutalkoholkonzentration ab 0,5‰ 500€ 1 Monat 2
o   Zuvor bereits wegen eines Alkoholverstoßes aufgefallen 1.000€ 3 Monate 2
o   Zuvor bereits 2 Einträge wegen Alkohol am Steuer 1.500€ 3 Monate 2
●       Blutalkoholkonzentration ab 1,1‰ Freiheits- oder Geldstrafe variiert 3
●       Geringere Blutalkoholkonzentration als 1,1‰, aber Ausfallerscheinungen erkennbar Freiheits- oder Geldstrafe variiert 3

 

Fazit

Nicht nur der Vollrausch, sondern indes schon der Restalkohol, kann die Wahrnehmungs- sowie Reaktionsfähigkeiten nicht unerheblich herabsetzen. Da die Promille im Blut nur sehr langsam abgebaut werden, ist das Autofahren nur wenige Stunden nach dem letzten Alkoholkonsum mit enormen Risiken verbunden. Um nicht sich selbst und Dritte zu gefährden, ist es stets sinnvoll, einen Alkoholtester im Handschuhfach zu lagern, mit dem eine Überprüfung vor Fahrtantritt stattfinden kann.

Die in Frankreich herrschende gesetzliche Pflicht zum Mitführen eines chemischen oder elektronischen Atem-Alkoholtests (die auch für Touristen gilt) kann letztlich durchaus als vernünftig angesehen werden. Auch wenn eine Außerachtlassung dieser Vorschrift kein Bußgeld nach sich zieht, trägt dieses Muss zur Sensibilisierung für das Thema „Restalkohol“ bei – ein Vorbild für Deutschland?

 

Weitere Informationen zum Thema „Alkohol am Steuer“ finden Sie unter https://www.bussgeldkataloge.de/alkohol-am-steuer/.

Über die Autorin: Jenna Eatough studierte an der Universität Regensburg zunächst Rechtswissenschaften mit Abschluss der juristischen Zwischenprüfung und dann Medienwissenschaften (BA). Heute ist sie bei der Legal One GmbH tätig und engagiert sich zudem als freie Journalistin.